HIER WERDEN WIR AKTIV
Entlang von Saale, Unstrut und ihren Nebentälern haben Natur, Zeit und menschliche Nutzung einzigartige Lebensräume entstehen lassen. Im Regenschatten des Harzes bildeten sich auf den extrem steilen, sonnenexponierten sowie wasser- und nährstoffarmen Hängen besondere Standorte heraus, die seit Jahrhunderten als Weideflächen dienten.
Durch diese extensive Bewirtschaftung entwickelte sich auf den Gesteinen der Trias – Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper – ein vielfältiges Mosaik aus artenreichen Trockenrasen, Felsfluren, Schutthalden, Gebüsch- und Saumstrukturen sowie Streuobstweiden. All diese Lebensräume bieten ideale Bedingungen für zahlreiche wärmeliebende Spezialisten. Von farbenprächtigen Orchideen über filigrane Federgräser bis hin zu hervorragend getarnten Insekten kann man hier zahlreichen Sonnenanbetern aus Flora und Fauna begegnen, die sonst eher im mediterranen Raum vorkommen. Auch Flugkünstler wie Fledermäuse oder auf Kleinsäuger spezialisierte Vogelarten profitieren bei der Jagd von den offenen Strukturen und dem reichhaltigen Nahrungsangebot.
Viele der hier heimischen Arten sind heute selten geworden – und stehen deshalb unter besonderem Schutz.
Das Landschaftsbild
Trockenlebensräume wie orchideenreiche Trocken- und Halbtrockenrasen, Felsfluren und Schutthalden, aber auch artenreiches Grünland, Streuobstweide, Kalkscherbenäcker, lichte Wälder und wärmeliebende Wald‑ und Feldsäume prägen unsere Projektkulisse.
Fünf einzigartige Teilräume
● Unstruthänge um Nebra
● Schichtstufe zwischen Querfurt und Freyburg
● Bad Bibraer Plateau
● Saalehänge südwestlich von Naumburg
● Müchelner Kalktäler
Wichtige Eckdaten
Unsere Projektkulisse erstreckt sich innerhalb der Grenzen des Naturparks Saale-Unstrut Triasland in Sachsen-Anhalt, umfasst 3.972 ha auf fünf separaten Arealen im Burgenlandkreis und dem südlichen Saalekreis. Nördlich wird die Projektkulisse von den Stadtgebieten Querfurt, westlich Bad Bibra, östlich Freyburg/Unstrut bzw. Mücheln und südlich Bad Kösen eingefasst.
PROJEKTRÄUME
Für diese rund 4.000 ha wird eine Pflege- und Entwicklungsplan erstellt
DIE FÜNF TEILRÄUME DES PROJEKTES
Für diese fünf Teilräume planen wir im Pflege und Entwicklungsplan Maßnahmen der naturschutzgerechten Bewirtschaftung, die in Projektphase II umgesetzt werden sollen.
Die Unstruthänge um Nebra
ein Hotspot geologischer und biologischer Vielfalt
Im gesamten Projektgebiet gibt es keinen Ort, an dem auf so engem Raum eine derart große Vielfalt an Gesteinsuntergründen – und damit Lebensräumen mit hochspezialisierten Artengemeinschaften – vorkommt, wie an den Unstruthängen rund um Nebra.
Der Wendelstein, ein markanter Zechsteingipsberg, der vom Fluss aus der Aue herausgeformt wurde, zählt zu den bedeutendsten botanischen Standorten der Region. Hier wachsen seltene Arten wie das Felsen-Steinkraut (Alyssum saxatile).
Folgt man dem Lauf der Unstrut, durchbricht der Fluss am Trias-Tor die angehobenen Schichten des Unteren Buntsandsteins. Historischer Gesteinsabbau hat hier steile, markante Felswände entstehen lassen, die dem Gebiet den Namen „Steinklöbe“ verliehen haben. Neben diesen künstlichen Abbrüchen finden sich auch natürliche Steilhänge mit artenreichen Offenlebensräumen und Felsfluren. Unter extrem trockenen Bedingungen gedeihen hier typische Steppenrasen-Arten wie das Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis) oder seltene Steppengräser (Stipa pennata, S. dasyphylla). Auch besondere Orchideenarten wie das Dreizähnige Knabenkraut (Orchis tridentata) und die Pyramiden-Spitzorchis (Anacamptis pyramidalis) kommen in der Steinklöbe vor.
Am Ortsrand von Vitzenburg prägt schließlich ein nach Süden steil abfallender, stark zerklüfteter Gipshang das Landschaftsbild – ein Bereich, der früher als Weinberg und Weide genutzt wurde. Die flachgründigen Böden der weniger verbuschten Bereiche bieten ideale Wachstumsbedingungen für „Extremisten“ wie den Stängellosen Tragant (Astragalus exscapus) oder das Büschelige Gipskraut (Gypsophila fastigiata).
Die Schichtstufe zwischen Querfurt und Freyburg
ein vielfältiges Landschaftsband
Zwischen der Unstrut-Aue bzw. der Schmoner Talung und den weitläufigen Ackerflächen der Querfurter Platte erstreckt sich ein kleinteiliges Mosaik aus Magerrasen, Felshängen, Weinbergen, Streuobstwiesen und Gehölzen: die Schichtstufe, die sich entlang der Unstrut als schmales Band von Querfurt im Norden bis Freyburg im Süden zieht.
Das Plateau und der obere Steilhang bestehen aus Schichten des Unteren Muschelkalks, die von einer unterschiedlich mächtigen Lössdecke überlagert werden. Der untere Hang wird dagegen von Schluff- und Mergelsteinen des Oberen Buntsandsteins (Röt) geprägt, durchzogen von mehreren Gipshorizonten. Für das Gebiet typisch ist die enge Verzahnung von Trocken- und Halbtrockenrasen, wärmeliebenden Gebüschen und kleinen Trockenwaldbereichen – immer wieder unterbrochen von aus der Nutzung gefallenen Streuobstwiesen und ehemaligen Weinbergslagen. In diesen Trockenlebensräumen wachsen seltene Arten wie das Graue und das Apenninen-Sonnenröschen (Helianthemum canum, H. apenninum), die Ästige Graslilie (Anthericum ramosum), die Graue Skabiose (Scabiosa canescens) und die Nacktstängelige Schwertlilie (Iris aphylla). Die Vorkommen des Badener Rispengras (Poa badensis) auf dem Gebiet gehören zudem zu den wichtigsten in ganz Deutschland – entsprechend hoch ist die Schutzverantwortung des Landes Sachsen-Anhalt.
Die angrenzenden Ackerflächen sind kleinteilig strukturiert und weisen zum Teil skelettreiche oder stark tonige Böden auf. An der Grenze zur Hochfläche finden sich typische Kalkscherbenäcker. Trotz ihrer geringen Bodenqualität beherbergen diese Standorte ein bemerkenswertes Spektrum an Ackerwildkräutern, darunter das Flammen-Adonisröschen (Adonis flammea), das Rundblättrige Hasenohr (Bupleurum rotundifolium) und den Ackerkohl (Conringia orientalis). Ihr Fortbestand ist stark von einer extensiven Bewirtschaftung der Ackerschläge abhängig.
Eine besondere geologische Erscheinung stellen die sogenannten „Badlands“ dar – offene Bodenstellen auf Röt, die durch historische Überweidung entstanden sind. Aufgrund der fehlenden Vegetationsdecke wird der Boden kontinuierlich von Wind und Wasser abgetragen, sodass sich keine geschlossene Grasnarbe entwickeln kann. Die extremen Standortbedingungen reduzieren den Konkurrenzdruck und ermöglichen spezialisierten Arten wie dem Stängellosen Tragant (Astragalus exscapus) das Überleben.
Rund um Freyburg prägt der Untere Muschelkalk das Landschaftsbild, insbesondere durch eine 2–3 Meter mächtige Schaumkalkbank. Viele Hangkanten gehen auf historische Steinbrüche zurück, deren Nutzung bis in das 14. Jahrhundert dokumentiert ist. Heute zeichnen sich diese besonderen Standorte durch einen außergewöhnlichen Orchideenreichtum aus – darunter Fliegen-, Bienen- oder die besonders seltene Spinnen-Ragwurz (Ophrys insectifera, O. apifera, O. sphegodes).
Das Bad Bibraer Plateau
ein kleinteiliges Hügelland aus Wäldern, Wiesen und Äckern
Das Bad Bibraer Plateau ist eine markante Hochfläche rechts der Unstrut, die von zahlreichen Trockentälern durchzogen wird. Diese Täler schneiden tief in die hügelig gegliederte, oftmals intensiv bewirtschaftete Ackerlandschaft ein.
Entlang der Talflanken haben unterschiedliche Landnutzungsformen ein reiches Mosaik an Offenlandhabitaten geschaffen: Mit zunehmender Hangneigung wurden viele ehemalige Terrassenäcker in Grünland oder Streuobstbestände umgewandelt. Besonders südexponierte Steillagen wurden traditionell für den Weinbau genutzt oder dienten – wie im Hasselbach- und Borntal – als Steinbruchareale. Die Randbereiche der Tal- und Hochlagen sind von trockenwarmen Laubwäldern geprägt, die ausgeprägte Saum- und Übergangsstrukturen aufweisen. Arten wie Weiße Waldhyazinthe (Platanthera bifolia), Großes Zweiblatt (Listera ovata), Herbst-Wendelorchis (Spiranthes spiralis) und Gewöhnlicher Diptam (Dictamnus albus) profitieren hier von den halbschattigen Bedingungen. Charakteristische Arten der Trockenrasen sind Kreuz-Enzian (Gentiana cruciata) und Graues Sonnenröschen (Helianthemum canum).
Ein besonders hoher Waldanteil kennzeichnet die Rand- und Hangbereiche im nach Westen ausgreifenden Bogen bei Bad Bibra. Für die stark gefährdete Orchideenart Frauenschuh (Cypripedium calceolus) bieten diese Areale optimale Wachstumsbedingungen.
Im Süden wird das Gebiet durch den weithin sichtbaren „Göttersitz“ begrenzt. Der imposante Saaleprallhang besteht aus südexponierten, steilen Felsrasen in verschiedenen Verbuschungsstadien. Dem Göttersitz kommt eine besondere Bedeutung zu, da er in Sachsen-Anhalt der einzige bekannte Fundort der bundesweit extrem seltenen Haarstrangwurzeleule (Gortyna borelii) ist. Der Nachtfalter ist vollständig abhängig von seiner Futterpflanze, dem Arznei-Haarstrang (Peucedanum officinale), der helle, basenreiche und wechseltrockene bis wechselfrische Standorte benötigt – meist in wärmeliebenden Saumgesellschaften nahe an Waldrändern.
Die Saalehänge südwestlich von Naumburg
zwischen steilen Canyons und ausgedehnten Wäldern
Der Teilraum umfasst vor allem die steilen Hanglagen des Saaletals zwischen dem thüringischen Camburg, Bad Kösen und Naumburg. Er liegt überwiegend rechts der Saale und schließt auch die angrenzenden Hochflächen mit ein. Geprägt von untergründigem Muschelkalk und trockenwarmen Standortbedingungen dominieren hier ausgedehnte Waldflächen, während einzelne Bereiche in Insellage durch besonders wertvolle Trockenlebensräume geprägt sind. Diese offenen Strukturen gehen auf historische Nutzungen zurück – etwa ehemalige Weideflächen, Obstplantagen, Steinbrüche oder Weinberge. Auf den Hochlagen selbst finden sich zu den Randbereichen hin Grünländer, Kalkscherbenäcker sowie strukturreiche Saumgesellschaften als Übergang zu den Wäldern.
Ein besonderes Landschaftselement stellt das Himmelreich dar – eine prägnante Steilwand mit historischen Weinbergsterrassen, die bis heute sichtbar sind. Exponiert über dem engen Saalecker Saalebogen gelegen, bildet diese canyonartige Struktur einen wertvollen Lebensraum für spezialisierte Arten wie Berg-Gamander (Teucrium montanum), Trauben-Graslilie (Anthericum liliago) oder Berg-Lauch (Allium lusitanicum), die an solche extremen Standortbedingungen angepasst sind.
Die Müchelner Kalktäler
artenreiche Refugien eiszeitlichen Ursprungs
Eingebettet in die intensiv ackerbaulich genutzte Querfurter Platte liegen die Müchelner Kalktäler – markante Kerbsohlentäler, die durch Schmelzwasserläufe der Saaleeiszeit in den Muschelkalk eingeschnitten wurden. Die Hanglagen dieser Täler sind von sehr dünnen Bodenauflagen geprägt und daher für den Ackerbau ungeeignet. Stattdessen wurden sie über viele Jahrzehnte hinweg als Weideflächen genutzt oder dienten zum Abbau von Kalkstein.
Durch diese historischen Nutzungen entstanden artenreiche Trocken- und Halbtrockenrasen, die bis heute eine hohe ökologische Bedeutung besitzen. Besonders orchideenreiche Bestände sind typisch für diese Landschaft. Ihr Fortbestand ist jedoch gefährdet, da viele Flächen aufgrund von Nutzungsaufgabe zu verbuschen beginnen. Dabei sind die Vorkommen empfindlicher Arten wie Helm- oder Purpur-Knabenkraut (Orchis militaris, O. purpurea), Pferde-Sesel (Seseli hippomarathrum), Zwerg-Steppenkresse (Hornungia petraea) und Deutscher Enzian (Gentianella germanica) auf kurzrasige, offene und gehölzarme Bedingungen angewiesen.
Gestaltet mit ❤ in Freyburg / Unstrut - gewidmet der Region






























