Naturschutzgroßprojekt unter der Trägerschaft des Geo-Naturparks Saale-Unstrut-Triasland e.V.

KONKRETE MAßNAHMEN MIT DEUTLICHER WIRKUNG

Aktive Landschaftspflege ist ein gezielter Eingriff in natürliche Prozesse mit dem Ziel, Vielfalt zu erhalten und Räume nutzbar zu machen. In vielen Kulturlandschaften würde ohne menschliches Handeln Verbuschung, Verwaldung und Strukturverlust einsetzen – mit negativen Folgen für Artenvielfalt, Offenlandlebensräume und Zugänglichkeit. Maßnahmen wie Entbuschung, extensive Beweidung oder der Ausbau von Wegen greifen bewusst steuernd ein und schaffen ein Gleichgewicht zwischen Naturdynamik und Nutzung. Dabei geht es nicht um intensive Ausbeutung, sondern um das bewahrende Gestalten von Landschaft. 

Solche Eingriffe wirken ökologisch stabilisierend, wirtschaftlich unterstützend und sozial verbindend. Sie machen Landschaften wieder lesbar, erlebbar und langfristig nutzbar. Gerade in Regionen mit historisch gewachsenen Kulturlandschaften entfalten diese Maßnahmen eine besondere Wirkung: Sie sichern Offenheit, fördern Biodiversität und schaffen gleichzeitig Grundlagen für Tourismus, regionale Wertschöpfung und gesellschaftliche Teilhabe.

Entbuschung, Mahd und Fällung zur Offenhaltung

Die manuelle oder konventionelle Entbuschung sowie die gezielte Mahd und Fällung von Jungbäumen dienen dem Erhalt offener Landschaftsstrukturen. 

Ohne diese Eingriffe würden artenreiche Wiesen, Trockenrasen oder Heiden allmählich überwuchert und verdrängt. Durch das Entfernen von Gehölzaufwuchs entstehen lichtreiche Lebensräume, die spezialisierten Pflanzen- und Tierarten zugutekommen. Gleichzeitig bleibt die charakteristische Offenheit der Landschaft erhalten, die historisch durch Nutzung geprägt ist. Diese Maßnahmen fördern ökologische Vielfalt, verhindern die Monotonisierung durch Verwaldung und sichern Sichtachsen, Weite und landschaftliche Lesbarkeit – zentrale Qualitäten für Natur, Mensch und regionale Identität.

Extensive Bewirtschaftung und Beweidung

Extensive Beweidung mit Schafen, Ziegen oder Rindern ist eine besonders nachhaltige Form der Landschaftspflege. 

Die Tiere halten Flächen offen, verhindern Verbuschung und schaffen durch selektiven Fraß kleinräumige Strukturen. Dadurch entstehen vielfältige Lebensräume, die Insekten, Vögeln und Pflanzen zugutekommen. Gleichzeitig verbindet Beweidung ökologische Wirkung mit wirtschaftlicher Nutzung: Fleisch, Wolle oder Milchprodukte entstehen als Nebenprodukte der Pflege. Die Präsenz von Weidetieren prägt das Landschaftsbild, vermittelt Tradition und stärkt das Bewusstsein für naturnahe Landwirtschaft. Extensive Bewirtschaftung wirkt entschleunigend, ressourcenschonend und stabilisierend für Kulturlandschaften.

Verbesserung der Zugänglichkeit und Erlebbarkeit

Die Schaffung und Pflege von Wegen, Zugängen und Wanderpfaden macht Landschaft erlebbar und nutzbar. 

Durch gezielte Zuwegung werden sensible Bereiche gelenkt erschlossen, ohne sie zu überlasten. Gut angelegte Wege ermöglichen Naturerfahrung, Bildung und Erholung und fördern den sanften Tourismus. Aussichtspunkte, Lehrpfade oder Rundwege helfen dabei, Landschaft zu verstehen und wertzuschätzen. Gleichzeitig profitieren auch Pflege, Kontrolle und Rettung von besserer Zugänglichkeit. Die Erlebbarkeit von Natur stärkt die Bindung der Menschen an ihre Umgebung und schafft Akzeptanz für Schutz- und Pflegemaßnahmen – ein zentraler sozialer Effekt nachhaltiger Landschaftsentwicklung.
 

WICHTIGE OFFENLAND-LEBENSRÄUME BEWAHREN

Schlüssel für eine lebendige Kulturlandschaft im Saale-Unstrut-Gebiet

Wer durch das Saale-Unstrut-Gebiet wandert, sieht mehr als „schöne Natur“: Steilhänge aus Muschelkalk, wärmeliebende Trockenrasen, Streuobstwiesen, kleine Heckeninseln und offene Weideflächen formen eine Kulturlandschaft, die über Jahrhunderte durch Nutzung entstanden ist. Gerade diese Offenland-Mosaike sind heute Hotspots der Biodiversität – und zugleich empfindlich. Ohne regelmäßige Nutzung verbuschen sie, verlieren ihre typischen Arten und werden im Laufe weniger Jahre strukturell eintöniger. Extensiv geführte Beweidung mit Schafen und Ziegen wirkt hier wie ein präzises, naturverträgliches „Pflegeinstrument“: Sie hält Flächen offen, schafft Vielfalt im Kleinen und bewahrt das charakteristische Landschaftsbild.

Offenhalten funktioniert am besten mit Weidetieren

Trocken- und Halbtrockenrasen sind auf nährstoffarmen, häufig steilen Standorten zuhause. Genau dort ist maschinelle Pflege aufwändig, teuer oder schlicht riskant. Beweidung löst dieses Problem elegant: Tiere erreichen Hänge, Kuppen und schmale Saumstrukturen, ohne Boden zu verdichten wie schwere Technik, und sie arbeiten „selektiv“ – sie treten, zupfen, lassen stehen, kehren zurück. So entsteht ein kleinteiliges Muster aus kurzgefressenen Bereichen, höheren Altgrasinseln und offenen Bodenstellen. Dieses Strukturmosaik ist die Grundlage für viele spezialisierte Pflanzen und Insekten.

Wie schnell der Verlust ohne Nutzung gehen kann, beschreibt auch das Umweltbundesamt: Wird extensiv genutztes Dauergrünland aufgegeben, verbuscht es oder wird aufgeforstet – und die artenreichen Offenland-Lebensräume gehen verloren. Weidetiere, oft Schafe oder Ziegen, halten diese Flächen durch ihr Abgrasen offen und erhalten wertvolle Lebensräume. (Umweltbundesamt)
 

Biodiversität messbar fördern – mit beeindruckenden Richtwerten

Extensive Beweidung ist keine „romantische Idee“, sondern biologisch gut begründet. Kalkmagerrasen zählen zu den artenreichsten Grünlandlebensräumen Europas. Spitzenwerte können – bei passender Nutzung – bis zu 60 Pflanzenarten pro Quadratmeter erreichen. (Bayerische Akademie Naturschutz) Solche Dichte an Arten ist kein Selbstzweck: Viele Insekten, darunter Wildbienen und Schmetterlinge, sind an bestimmte Wirtspflanzen gebunden. Je mehr Pflanzenarten dauerhaft vorkommen, desto stabiler sind Nahrungsnetze – und desto höher ist die ökologische Resilienz gegen Dürrejahre oder Schädlingsdruck.

Für das Saale-Unstrut-Gebiet ist das besonders relevant, weil Mager- und Trockenrasen an Saale- und Unstrut-Steilhängen zu den zentralen Ziel-Lebensräumen gehören. Das Umweltministerium Sachsen-Anhalt hebt für ein geplantes Naturschutzgroßprojekt ausdrücklich den Erhalt und die Pflege dieser gefährdeten Lebensräume hervor und nennt beispielhaft seltene Arten (u. a. Orchideen und spezialisierte Schmetterlinge), die auf solche Offenlandstrukturen angewiesen sind. (Landesportal Sachsen-Anhalt)
 

Regionale Praxis: Wir zeigen, wie es geht

Extensive Beweidung wird im Saale-Unstrut-Kontext längst praktisch umgesetzt und weiter ausgebaut. Der Geo-Naturpark berichtet, in der Region inzwischen fast 70 Hektar beweidete Trockenrasen zu betreuen; fast 24 Hektar davon liegen in konkret benannten Bereichen (u. a. Steinklöbe, Kuhberg bei Gröst, Vitzenburg, Gleinaer Grund, Spielberg). (naturpark-saale-unstrut.de) Ergänzend wird die konkrete Förderung einzelner Pflegemaßnahmen sichtbar: Im Saalekreis wird beispielsweise die Pflege von vier Flächen mit zusammen neun Hektar genannt. (Saalekreis) Solche Zahlen sind wichtig, weil sie zeigen: Beweidung ist skalierbar – von der Einzelkulisse bis zum Netz aus Trittsteinen im Biotopverbund.

Auch organisatorisch ist das Modell überzeugend: In einem bundesweiten Praxisbeispiel wird der Naturpark Saale-Unstrut-Triasland explizit als Region beschrieben, in der Trocken- und Halbtrockenrasen gepflegt werden müssen und wo die Verwaltung Schaf- und Ziegenhalter zusammengebracht und die Beweidung organisiert hat – gerade weil viele Flächen klein und zersplittert sind.
 

Nutzen über den Naturschutz hinaus: Klima, Boden, Wasser, Tourismus

Extensive Beweidung wirkt nicht nur „für Arten“, sondern auch für Landschaftsfunktionen. Offen gehaltene Hänge reduzieren die Gefahr, dass sich dichte Gehölzbestände etablieren, die Pflegeschneisen verschließen und Wege, Aussichtspunkte oder Trockenmauern überwachsen. Gleichzeitig stabilisieren gut entwickelte Grasnarben den Boden, mindern Erosionsprozesse an Steillagen und fördern die Versickerung von Niederschlägen – ein Vorteil in Zeiten häufigerer Starkregen.

Dazu kommt der kulturelle und ökonomische Wert: Weidelandschaften prägen Identität, sind attraktiv für naturverträglichen Tourismus und vermitteln „Lesbarkeit“ der Landschaft. Genau deshalb werden Beweidungsprojekte zunehmend als Teil von Regionalentwicklung verstanden – als Verbindung von Naturschutz, Bildung, lokaler Wertschöpfung und Besucherlenkung.
 

Die entscheidende Voraussetzung: Schäfereien sichern

So groß der Nutzen ist: Er hängt daran, dass es Menschen gibt, die Weidewirtschaft professionell betreiben. Hier zeigen Statistiken eine klare Dringlichkeit. Laut Umweltbundesamt gibt es heute nur noch rund 1.000 Berufsschäfereien in Deutschland; der Schafbestand hat sich seit den frühen 1990er Jahren etwa halbiert, und gleichzeitig haben rund 85 % der Schafe Weidegang – Weidehaltung ist also der Normalfall, aber die Betriebe werden weniger. (Umweltbundesamt) Das bedeutet: Wer Kulturlandschaft offenhalten will, muss auch Hüteschäferei und Landschaftspflege-Schäfereien stärken – durch verlässliche Flächenkulissen, entbürokratisierte Förderzugänge und faire Honorierung der Pflegeleistung.
 

Fazit: Extensive Beweidung ist Investition in Zukunftsfähigkeit

Im Saale-Unstrut-Gebiet ist extensive Beweidung ein fachlich stark begründeter, praxisbewährter und gesellschaftlich wertvoller Ansatz. Sie erhält die offene Kulturlandschaft, stabilisiert hochspezialisierte Lebensräume wie Trocken- und Halbtrockenrasen, schafft messbar hohe Artenvielfalt und verbindet Naturschutz mit regionaler Identität. Die vorhandenen Projekte und Flächenumfänge zeigen: Der Weg ist eingeschlagen – und jede weitere Weidefläche ist nicht nur Pflege, sondern aktive Zukunftsgestaltung der Saale-Unstrut-Landschaft.

Wussten Sie eigentlich schon, dass extensiv beweidete Flächen in Kulturlandschaften:

40% mehr Insektenvielfalt
und 30% mehr Pflanzenarten
pro Hektar aufweisen?

Die Beweidung mit Schafen und Ziegen bietet einen klar messbaren wirtschaftlichen Nutzen für Landwirtschaft und Regionen. Rund 70 % des europäischen Grünlands lassen sich ausschließlich durch Beweidung sinnvoll nutzen. Gleichzeitig liegen die Kosten der Beweidung 30–60 % unter denen technischer Landschaftspflege. Besonders wirkungsvoll ist der regionale Effekt: Jeder investierte Euro in Beweidungsprojekte erzeugt 2 bis 3 Euro regionalen Mehrwert und stärkt dauerhaft ländliche Wirtschaftsstrukturen.

Quellenangabe: aktuell in Prüfung

Gestaltet mit ❤ in Freyburg / Unstrut - gewidmet der Region

Träger: Geo-Naturpark Saale-Unstrut-Triasland e. V.

Projektablauf: aktuell Planungsphase (Projekt I) / geplant Umsetzungsphase (Projekt II)

Laufzeit: 12/2024 – 02/2028
Fördervolumen: 1,613 Mio. EUR

Das Projekt wird gefördert über das Förderprogramm „chance.natur – Bundesförderung Naturschutz“ mit Mitteln des Bundesumweltministeriums (75 %) und des Landes Sachsen-Anhalt (16 %). Der Eigenanteil (9 %) wird durch die Landkreise Burgenlandkreis und Saalekreis sowie den Geo-Naturpark selbst getragen.

IMPRESSUM
DATENSCHUTZ

Geo-Naturpark „Saale-Unstrut-Triasland“ e.V.
Unter der Altenburg 1 - 06642 Nebra

Telefon: +49 (0) 34461 220-86
E-Mail: info@naturpark-saale-unstrut.de

Projektbearbeitung: 
Nele Gnutzmann, Jens Eckner

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